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Vor Ort Mai 20 2015

Fischmaster — Pionier in der Aquakultur von Zander

Als wir zu Fischmaster ins hessische Trebur fahren, wissen wir - ehrlich gesagt - noch nicht viel über Aquakultur. Auf der 1938 erbauten Luftwaffenhofreite treffen wir auf Eric Nürnberger. Er, der eigentlich aus der IT kommt, aber schon seit seinem fünften Lebensjahr angelt, hatte 2005 den Plan eine Fischzucht in Aquakultur aufzubauen. 2011 ersteigerte er die Hofreite und spezialisierte sich auf den Zander als beliebten Süßwasser-Edelfisch. Die einheimische Nachfrage nach Zander kann momentan nahezu nur aus ausländischen Importen gedeckt werden.

Die ersten zwei Jahre waren nicht leicht, denn für die Zucht von Zander in Aquakultur gibt es noch wenige Erfahrungswerte. Die Zanderzucht gilt als besonders schwierig, da sich der Zander als Raubfisch in freier Natur nur von Lebendfutter ernährt. Erst durch die Umstellung auf Trockenfutter ist es gelungen Zander in Aquakultur zu züchten. Nachhaltigkeit ist Eric Nürnberger besonders wichtig. Da der Fisch viel Wärme braucht und somit viel Strom benötigt wird, produziert Nürnberger mittels einer Wärmepumpe und daran angeschlossener Photovoltaikanlage fast 80% der Energie selbst. Sein Ziel ist es, in Zukunft ganz autark zu werden.

Laichraum

Wir beginnen unseren Gang durch die Zuchtanlage mit dem Desinfizieren von Händen und Schuhen und stehen kurz darauf in einem Raum mit großen Becken und einer rauschenden Filteranlage. Hier im Laichraum schwimmt Nürnbergers Kapital – fünf Laichgruppen mit jeweils 50 bis 70 Zandern. Jeder Fisch ist mindestens drei Jahre alt und jeweils mit einem Chip markiert. In der Natur laicht der Zander von Mai bis Juni – hier das ganze Jahr. Dies gelingt durch eine ausgefeilte automatische Steuerung. Jeweils eine Laichgruppe wird herausgenommen und die Wassertemperatur über mehrere Wochen von 22 auf 4 °C gesenkt. Gleichzeitig wird das Licht entsprechend der Jahreszeit geregelt und ein spezielles Futter zugeführt. Nach zwei Monaten Winter wird es langsam Frühling. Nach 33 Tagen bei 24,5 °C haben die Zander ihre Geschlechtsorgane entwickelt. Nach weiteren 33 Tagen legen die weiblichen Tiere ihre Eier (150.000 Eier pro 1 kg Lebendgewicht) in die Laichmatten ab und die männlichen Tiere befruchten diese. Dieser Prozess wird nach und nach mit jeder der fünf Laichgruppen wiederholt. So ist es möglich, dass Fischmaster alle zwei Monate Zandersetzlinge liefern kann. Ein Zander kann bis zu 20 Jahre alt werden, jedes Weibchen leicht hierbei nur einmal jährlich ab.

Brutraum

Sind die Eier befruchtet, kommen die Laichmatten in den zweiten Raum, den Brutraum. Hier beginnt die heikelste Phase im Zuchtprozess. Nach etwa drei Tagen schlüpfen die Larven aus, nach spätestens 48 Stunden beginnen die Larven zu fressen. Jetzt müssen sie mit Artemien (Salzkrebsen) gefüttert werden, ansonsten beginnen die Larven sich gegenseitig aufzufressen. Nach weiteren sechs Tagen gibt es eine weitere kritische Phase, dann beginnt der Zandersetzling seine Luftblasen zu füllen und es wird damit begonnen auf Trockenfutter umzustellen. Dazu muss die Oberflächenspannung des Wassers geregelt werden, damit das Futter die Oberfläche durchdringen kann.

Aufzucht

Haben die Setzlinge diesen Teil der Zucht geschafft, kommen sie in größere Becken. Hier müssen alle der etwa 100.000 Tiere einmal pro Woche von Hand nach ihrer Größe sortiert werden. Ansonsten würden die größeren Setzlinge die kleineren Fische fressen. Mit etwa 20 Gramm haben es die Zandersetzlinge geschafft und können als Besatzfische weiterverkauft werden. Antibiotika sind hier kein Thema. Durch die geringe Besatzdichte und die sehr gute Filtertechnik werden Krankheiten vermieden. Sollten doch einmal Bakterien auftreten werden sie mit Essigsäure und Salz behandelt.

Mast

Die Setzlinge werden dann entweder als Besatzfische an Angelvereine verkauft oder gehen zu Landwirten im Emsland, Osnabrück und Hamburg in die Mast. Nach etwa zwölf Monaten haben die Fische dort ihr Schlachtgewicht von 1 kg erreicht. In der Natur benötigt ein Zander hierfür drei Jahre.

Hofladen

Neben dem Zander aus eigener Zucht bietet Fischmaster im eigenen Hofladen auch weitere Süßwasser- und Salzwasserfische an. Die Frische und das Sortiment ziehen zahlreiche Kunden an den zwei Verkaufstagen in den Hofladen und auch die gehobene Gastronomie gehört zur Stammkundschaft von Eric Nürnberger.

Aquaponik

Die Zukunft der Fischzucht sieht Eric Nürnberger im Aquaponik – hierfür wird er demnächst ein kleines Testprojekt starten. Bei Aquaponik werden Fischzucht und der Anbau von Nutzpflanzen kombiniert. Das Tolle daran ist, dass man so einen geschlossenen Wasser- und Nährstoffkreislauf erhält. Das nährstoffreiche Wasser aus den Fischbecken wird über eine Rotwurmfiltertechnik zu den Wurzeln der Nutzpflanzen geleitet. Diese entziehen dem Wasser die Nährstoffe und reinigen es. Das saubere Wasser fließt zurück in die Fischtanks – der Kreislauf ist geschlossen

Kurzprofil

Fischmaster IP-Services GmbH

Kontakt
Eric Nürnberger
Niersteiner Straße 38
65468 Trebur

Tel: +49 6147 9353 202

Öffnungszeiten:
Mogeschlossen
Digeschlossen
Migeschlossen
Do10:00 – 18:00 Uhr
Fr10:00 – 18:00 Uhr
Sa10:00 – 14:00 Uhr
Sogeschlossen

Produkte
Hessauner Zander aus eigener Zucht
Weiterer Räucher-, Süß- und Seewasserfisch, z.B. Schwarzer Heilbutt
Fischplatten für Familienfeiern und Veranstaltungen

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